aus dem Roman OTTER von Ralph Billmann

11.03.2019 / 07:00
Kategorien: Fun   Deutsch

Kapitol Otter und Rohs, Teil VI.
Irgendwann wurde er der Klarinette untreu und erweckte sie nur noch gelegentlich zum Leben
Auch er ist, wie H. die Hexe, ein Virtuose auf seinem Instrument, vorausgesetzt, man lässt ihn gewähren und bombardiert ihn nicht mit genmanipulierten Noten, die einem Musikthema entspringen, das Bezug auf Einsteins Relativitätstheorie nimmt.
Otter hat das erst spät erkannt und begriffen, aber schlug Rohs bis dahin nicht selten mit Stücken, die einer mathematischen Aufgabe gleichkamen.
Durch seine Erkenntnis weiß Otter inzwischen: Jeder wird zum Größten, wenn er das ausspielen darf, worin er der Größte ist.
Das betrifft Rohs, wie ihn selbst.
Heute kooperieren sie und kommen sich dadurch näher denn je. Es ist so etwas wie eine bewunderte Akzeptanz, die sich nährt aus Wissen, Erkenntnis und einer Portion Souveränität.
Was ihre Zusammenarbeit betrifft, so hatten sie schon einiges hinter sich: Angefangen von Schuldzuweisungen bis hin zum „Augenauskratzen“. Das Instrument blieb stets unversehrt.
Otter wechselte dadurch so häufig die Saxofonisten, wie Spießbürger ihre Autos schamponieren.
Fanden sie wieder zueinander, ließ Otter manches Mal der Verdacht nicht los: Entweder sind sie gleich schlecht oder gleich kompliziert. Man kann eher meinen, gleich kompliziert, denn Otter spricht auch in Bildern. Aber es müssen nicht unbedingt Rohs‘ Bilder sein. Und so sind Missdeutungen nicht ausgeschlossen.
Er kann sich erinnern – Rohs hatte ihn zum Essen eingeladen, aber anstatt das Essen zu genießen – zumal es überteuert war – malten sie ihre Bilder, jeder in seinem Stil, von realistisch bis abstrakt und stellten sie voreinander hin. Wie die Kritiker stürzten sie dann auf die Bilder des Anderen los, kratzten auf der frischen Farbe, so dass sie unter den Nägeln hing, bewarfen sich mit Pinseln aller Breitengrade, bis sie, kurz vor dem Servieren ihrer Nachspeise, die Leinwände kurz und klein gerissen hatten. Was übrig blieb, war der Scherbenhaufen von Joseph Beuys, mit dem beide nur schwer etwas anfangen konnten.
Der Kellner - ein mickriger Japaner – lächelte mit schmalen Augen dazu, wie ein Kleinkind im Laufstall.
Ja, so liebten sie sich, und so schlugen sie sich.
Es ähnelte einer Beziehungsszene, in der einer dem anderen das Schnarchen streitig machen will.
Dennoch kommen sich Rohs und Otter immer wieder nah – allein durch die vielen Töne der Musik, die ihnen so viel bedeuten, die mehr sind als unverstandene Worte einer Schlammschlacht, und die sie ohne Zensur für sich sprechen lassen können. Und die beiden die Chance geben, von dem anderen wieder auf musikalischer Ebene Gehör zu finden.

Ende der Kapitol Otter und Roha

März 2019
Mo Di Mi Do Fr Sa So
 << <   > >>
        1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30 31

Letzte Kommentare

Suche [Anekdoten]

Wer ist online?

  • Gäste: 86

powered by
b2e