aus dem Roman OTTER von Ralph Billmann

11.03.2019 / 10:00
Kategorien: Fun   Deutsch

Kapitel: Otter und Rohs Teil III.

Im Gegensatz zu Rohs, der wahrscheinlich bereits beim Schreiben die Wohlklänge seiner Musik im Ohr hörte und die Massen vor den Bühnen stehen sah, werden den Behörden beim Lesen nicht gleich die Ohren klingen, eher taub werden.

Was Rohs und Otter zusammenhält und liebenswert macht, ist die Tatsache, dass sie sich unablässig motivieren können – und sei es nur, um wieder einer neuen aussichtslosen Idee, die als Flop endet, nachzujagen – weil für sie nie etwas zu spät gewesen ist in ihrem Leben, und weil sie nicht verlieren wollen, was in ihnen noch alles schlummert.

Rohs reibt sich die Augen, dreht sich dabei um, sieht den Kellner und macht eine komische schnelle Handbewegung. Es sieht aus wie bei einem Kleinkind, das blitzschnell mit der Hand einen umfallenden Turm aus Bauklötzen halten will.
„Ich weiß nicht zu sagen, woher ich diese Gewissheit nehme, aber ich weiß, dass es nicht anders sein kann, als damit einen gewissen Erfolg zu haben“, sagt Rohs und stellt dabei seine leere Tasse beiseite.
Er hebt die Augen und sieht Otter fragend an.
Rohs wird ein neuer Kaffee hingestellt.
Otter schaut auf und sagt zum Kellner:
„ich möchte noch einen Wein.“
„Was für einen?“
„Den da, den die Leute trinken.“
Er zeigt zum Nachbartisch und fügt hinzu:
„Ich bin neugierig, was da getrunken wird.“
De Kellner glotzt verständnislos aus den Augen und geht.
Rohs schmunzelt.
„Ich wollt‘ dich nicht ersticken mit meiner Voreingenommenheit und nichts heraufbeschwören“, sagt Otter kleinlaut und lächelt Rohs ins Gesicht.
„Du brauchst mir nicht zu erzählen, wie womöglich irgendein Amtsmensch hinterm Schreibtisch reagieren wird … darum geht es nicht“, sagt Rohs in überspitzt freundlich, angespanntem Tonfall.
„Es geht mir in erster Linie um die Idee und deine Meinung … vielleicht deinen Beistand dazu.“
„Ich finde deinen Einfall toll“, sagt Otter und denkt: das war doch meine Meinung … oder?
„Ich bin sogar begeistert Rohs … aber inwiefern zählt meine Begeisterung … ich sitze nicht im Rathaus einer beliebigen Stadt.“
Rohs nimmt die Blätter auf und hält sie Otter hin.
„Vielleicht fällt dir dazu noch etwas ein … du kannst das Papier ruhig mit nach Hause nehmen.“
Rohs hebt sein Glas, prostet Otter zu und sagt mit bösem, lächelndem Gesichtsausdruck und einer spöttischen, weinerlichen Stimme:
„Lass uns jetzt nicht schon Prognosen für übermorgen aufstellen … schade um so viel Energie … schau mich an … ich brauche meine Kraft für andere Dinge … das Leben ist doch so schwer.“
Otter hasst inzwischen diese weinerliche Stimme von Rohs, die ihm ein schlechtes Gewissen einreden kann, die kleinen heimlichen Flüchen ähneln, über eine nicht richtig ausgedruckte Zahnpastatube in einer langjährigen Beziehung. Sie haben eine Beziehung, nicht nur in der Musik, sondern darüber hinaus; dafür kennen sie sich schon lange. Otter liebt Rohs auf irgendeine Weise, aber diese unterschwelligen Töne bringen ihn zum Verzweifeln; und umgekehrt kann Otter nichts ahnend Rohs zur Verzweiflung treiben.
Rohs linst auf seine Uhr.
„Wir sollten jetzt zum Proben aufbrechen, sonst trinken wir uns hier noch fest“, sagt Otter und nimmt den letzten Schluck.
„Du hast Recht, wir sollten mehr Musik machen, anstatt uns übermäßig auszulassen über Dinge, die bereits gesagt sind“.
…………………………..wird fortgesetzt

März 2019
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