aus dem Roman OTTER von Ralph Billmann

11.03.2019 / 11:00
Kategorien: Fun   Deutsch

Kapitel: Otter und Rohs II

Rohs und Otter treffen zur gleichen Zeit am Proberaum ein. Rohs hat einen grauen Filzhut auf, den er, wie er später stolz berichtet, für vier Mark erstanden hat. Mit diesem Hut erinnert sein Gesicht an Otters Lieblingsschauspieler Gérard Depardieu, obwohl er ihn nie mit Hut gesehen hat.
Darüber musste Otter kurz nachdenken, wie eine Kopfbedeckung Rohs so verändern kann, dass er mit einem Mal einem ähnelt, der mit Hut keine Ähnlichkeit mit Rohs haben würde.
Zudem trägt Rohs einen Vollbart, den der Andere nicht besitzt.
Rohs kann es nicht abwarten, Otter seine neuen Ideen noch vor der Probe mitteilen zu wollen. Sie entschließen sich, das kleine Restaurant neben dem Proberaum aufzusuchen, bevor sie zum Instrument greifen.

Rohs legt ein Blatt Papier auf den Tisch und sagt:
„Ich habe mir einige Gedanken gemacht“
Dabei setzt er seinen Filzhut ab – seine langen Haare stehen zu Berge, die Augen glühen von Übereifer – er schaut aus wie der wilde Mann aus einem bösen Bilderbuch. Aber böse ist er nicht – er hat auffallend gute Laune.
Rohs erspäht den Kellner und macht eine Handbewegung, als wollte er Fliegen verscheuchen. Mit sprühenden Worten bestellt er zwei Kaffee. Dann legt er weitere Papierblätter auf den Tisch, die er aus einer abgewetzten braunen Aktenmappe zieht und schiebt sie zu Otter hinüber.
„Lies das durch“, sagt er strahlend.
„Ich hab‘ mir einige Gedanken gemacht über die Zukunft unserer Auftritte. Was meinst du dazu? Aber erst lesen.“
Otter überfliegt das Papier, dann versucht er, diagonal zu lesen, begreift aber den Inhalt nicht, reißt sich zusammen, um von Anfang an alles in Ruhe zu studieren. Eigentlich verspürt er wenig Lust dabei, weil er selbst etwas offenbaren wollte.
Aber er will Rohs Euphorie nicht gleich ersticken, schließlich hat er etwas vorbereitet, und das sollte man anerkennen und würdigen.

Otter denkt, es ist wieder eine von Rohs‘ Erleuchtungen, die wahrscheinlich im Sande verlaufen wird, weil neben der eigentlichen Schwunglosigkeit, die sich nach gewisser Zeit einstellt, auch sonst sich kein Schwein dafür interessieren wird.
„Hört sich gut an“, sagt er nach einer Weile des Schweigens.
„Meinst du?“ fragt Rohs unsicher.
„Kann man es so stehen lassen?“
„Ich glaub‘ schon … die Idee ist gut … stellt sich nur die Frage, ob sich damit ein Amtsmensch identifizieren kann und willig ist, sein Gesäß hochzukriegen“
„Hast du Zweifel?“
„Ja, kennst du nicht den alten Spruch: Störe meine Kreise nicht … war er nicht von Archimedes? Und ich sag‘ dir, du störst Kreise … die Kreise von Amtsmenschen, die sich nicht stören lassen wollen. Und schon gar nicht von solchen Chaoten wie Musikern, die Dreck und Krach verursachen und außer Bier und Würstchen nichts im Kopf haben …“
Rohs unterbricht Otter und sagt: „Warte, du bist mir zu schnell …“
Der Inhalt berichtet von Rohs‘ Anliegen, die Stadtväter verschiedener Kleinstädte mit zutun seiner Ideen und Arbeitskraft zu motivieren, ein Jazzfestival ins Leben zu rufen. Er selbst bietet ein Musikprogramm mannigfaltiger Schattierungen an und will mit verschiedenartigen Gruppen aufwarten.
Es ist wieder einmal eine von vielen Ideen, die Rohs bisher hatte. Er will sich jetzt schon frühzeitig nach Auftrittsmöglichkeiten umschauen, um nicht bei den vielen nachfolgenden Proben wieder in Lethargie zu fallen.

…………………………..wird fortgesetzt

März 2019
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