Überblick für: März 2019, 11

Eine Buch Vorstellung

11.03.2019 / 13:00
Kategorien: Fun   Deutsch

Liebe Freude,
hier mit stelle ich euch ein Autobiographischer Roman, OTTER Von Ralph Billmann.
Mit Bill spiele ich schon seit Anfang der 80er Jahre.
Ich war begeistert, als ich in diesem Werk auf der Seite 129 ein Kapitel unter dem Namen OTTER UND ROHS – für mich als etwas sehr Bekanntes entdeckt habe.

Also bitte, falls es euch das alles, was ich hier dargestellt habe interessiert, genießt die Geschichte, schreibt mir auf Facebook (hier habe ich Gästebuch abgeschaft) und sagt es weiter an eure Freunde, d.h. falls es euch gefällt.
Bis bald

aus dem Roman OTTER von Ralph Billmann

11.03.2019 / 12:00
Kategorien: Fun   Deutsch

Kapitel: Otter und Rohs Teil I.

Der Morgen schillert hell und wach, als Otter ins Freie tritt. Mit gutem Gefühl und unerbittlicher Entschlusskraft geht er heute zur Probe.

Er weiß – es gibt kreative Tage, da kann man machen, was man will, was man auch anpackt nimmt eine gewisse übermenschliche Form an. Dann gibt es Tage, da will man etwas Übermenschliches erschaffen und erreicht genau das Gegenteil. Heute ist sich Otter gewiss: Das ist sein Schaffenstag. Er hat viele Ideen zu offenbaren und das genügt ihm, um sich als Sieger dieses Tages zu fühlen. Aber noch ist der Tag nicht weit gediehen.

An der nächsten Ecke hält er inne und entschließt sich, noch schnell einen Kaffee zu trinken. Er sitzt am Tresen und betrachtet die Espressomaschine – die Intensivstation der Kneipe – mit ihren daneben stehenden H-Milchpackungen, aus denen sich dünne Plastikschläuche winden und ihren gekrümmten Wegen folgen.

Er dreht sich auf dem Barhocker zur gegenüberliegenden Wand und findet sich in einem Wandspiegel wieder. Gut siehst du heute aus, denkt er selbstzufrieden und richtet sich gerade auf, damit sich sein runder Rücken nicht übermäßig abzeichnet.
Während er den ersten Schluck Kaffee genießt, ziehen in seinen Gedanken die Notenbilder seiner geschriebenen Offenbarung vorbei.

Er denkt an Rohs‘ Worte: Es gibt viele Pianisten, die spielen wie Weltmeister … aber du spielst anders. Wie meinte er das? Bedeutet das Lob für Otter oder Kritik in stiller Akzeptanz? Otter beschließt, dass in diesen Worten deutlich Anerkennung mitschwingt.

Rohs hat die Gabe, seine Gedanken in verschlüsselten Sätzen unterzubringen, um sie dann vorsichtig vor einem auszubreiten. Ihm liegt nichts daran, jemanden zu kränken und ihm die Fakten unzensiert vor die Füße zu werfen. Hat er ein Anliegen, versucht er zu beschenken, indem er kleine eingewickelte Päckchen vor einem aufbaut, um sie dann selbst – manchmal recht umständlich – auszupacken.
Otter wird dann leicht ungeduldig und noch ungeduldiger, wenn er anschließend nach ellenlangem Auswickeln in leere Kartons sieht und nichts erkennen kann, außer den daneben liegenden Papierhaufen.

In solchen Situationen starrt Otter Rohs hilflos und verlegen ins Gesicht, Rohs dagegen ergreift mit verzweifelter Engelsgeduld neue Päckchen, um Otter erneut den Inhalt zu demonstrieren. Otter kann sich an eine Probe erinnern, wo er vor lauter zerknülltem Papier überhaupt nichts mehr sah und ziemlich zermürbt dreinguckte und nicht verstand, was Rohs ihm damit mitteilen wollte. Die Probe endete in gereizter Stimmung. Da Otter die Angewohnheit besitzt, schon im Vorfeld zu glauben, den Inhalt bereits zu wissen – was Rohs sehr nervös macht – fällt es ihm im Nachhinein schwer, das Verpackte wirklich zu sehen. Dies passiert oftmals, wenn Rohs‘ aufgebaute Päckchen für Otter dem Ausmaß einer monumentalen Weihnachtsbescherung gleichen und er vor Ungeduld nicht mehr abwarten kann.


…..wird fortgesetzt

aus dem Roman OTTER von Ralph Billmann

11.03.2019 / 11:00
Kategorien: Fun   Deutsch

Kapitel: Otter und Rohs II

Rohs und Otter treffen zur gleichen Zeit am Proberaum ein. Rohs hat einen grauen Filzhut auf, den er, wie er später stolz berichtet, für vier Mark erstanden hat. Mit diesem Hut erinnert sein Gesicht an Otters Lieblingsschauspieler Gérard Depardieu, obwohl er ihn nie mit Hut gesehen hat.
Darüber musste Otter kurz nachdenken, wie eine Kopfbedeckung Rohs so verändern kann, dass er mit einem Mal einem ähnelt, der mit Hut keine Ähnlichkeit mit Rohs haben würde.
Zudem trägt Rohs einen Vollbart, den der Andere nicht besitzt.
Rohs kann es nicht abwarten, Otter seine neuen Ideen noch vor der Probe mitteilen zu wollen. Sie entschließen sich, das kleine Restaurant neben dem Proberaum aufzusuchen, bevor sie zum Instrument greifen.

Rohs legt ein Blatt Papier auf den Tisch und sagt:
„Ich habe mir einige Gedanken gemacht“
Dabei setzt er seinen Filzhut ab – seine langen Haare stehen zu Berge, die Augen glühen von Übereifer – er schaut aus wie der wilde Mann aus einem bösen Bilderbuch. Aber böse ist er nicht – er hat auffallend gute Laune.
Rohs erspäht den Kellner und macht eine Handbewegung, als wollte er Fliegen verscheuchen. Mit sprühenden Worten bestellt er zwei Kaffee. Dann legt er weitere Papierblätter auf den Tisch, die er aus einer abgewetzten braunen Aktenmappe zieht und schiebt sie zu Otter hinüber.
„Lies das durch“, sagt er strahlend.
„Ich hab‘ mir einige Gedanken gemacht über die Zukunft unserer Auftritte. Was meinst du dazu? Aber erst lesen.“
Otter überfliegt das Papier, dann versucht er, diagonal zu lesen, begreift aber den Inhalt nicht, reißt sich zusammen, um von Anfang an alles in Ruhe zu studieren. Eigentlich verspürt er wenig Lust dabei, weil er selbst etwas offenbaren wollte.
Aber er will Rohs Euphorie nicht gleich ersticken, schließlich hat er etwas vorbereitet, und das sollte man anerkennen und würdigen.

Otter denkt, es ist wieder eine von Rohs‘ Erleuchtungen, die wahrscheinlich im Sande verlaufen wird, weil neben der eigentlichen Schwunglosigkeit, die sich nach gewisser Zeit einstellt, auch sonst sich kein Schwein dafür interessieren wird.
„Hört sich gut an“, sagt er nach einer Weile des Schweigens.
„Meinst du?“ fragt Rohs unsicher.
„Kann man es so stehen lassen?“
„Ich glaub‘ schon … die Idee ist gut … stellt sich nur die Frage, ob sich damit ein Amtsmensch identifizieren kann und willig ist, sein Gesäß hochzukriegen“
„Hast du Zweifel?“
„Ja, kennst du nicht den alten Spruch: Störe meine Kreise nicht … war er nicht von Archimedes? Und ich sag‘ dir, du störst Kreise … die Kreise von Amtsmenschen, die sich nicht stören lassen wollen. Und schon gar nicht von solchen Chaoten wie Musikern, die Dreck und Krach verursachen und außer Bier und Würstchen nichts im Kopf haben …“
Rohs unterbricht Otter und sagt: „Warte, du bist mir zu schnell …“
Der Inhalt berichtet von Rohs‘ Anliegen, die Stadtväter verschiedener Kleinstädte mit zutun seiner Ideen und Arbeitskraft zu motivieren, ein Jazzfestival ins Leben zu rufen. Er selbst bietet ein Musikprogramm mannigfaltiger Schattierungen an und will mit verschiedenartigen Gruppen aufwarten.
Es ist wieder einmal eine von vielen Ideen, die Rohs bisher hatte. Er will sich jetzt schon frühzeitig nach Auftrittsmöglichkeiten umschauen, um nicht bei den vielen nachfolgenden Proben wieder in Lethargie zu fallen.

…………………………..wird fortgesetzt

aus dem Roman OTTER von Ralph Billmann

11.03.2019 / 10:00
Kategorien: Fun   Deutsch

Kapitel: Otter und Rohs Teil III.

Im Gegensatz zu Rohs, der wahrscheinlich bereits beim Schreiben die Wohlklänge seiner Musik im Ohr hörte und die Massen vor den Bühnen stehen sah, werden den Behörden beim Lesen nicht gleich die Ohren klingen, eher taub werden.

Was Rohs und Otter zusammenhält und liebenswert macht, ist die Tatsache, dass sie sich unablässig motivieren können – und sei es nur, um wieder einer neuen aussichtslosen Idee, die als Flop endet, nachzujagen – weil für sie nie etwas zu spät gewesen ist in ihrem Leben, und weil sie nicht verlieren wollen, was in ihnen noch alles schlummert.

Rohs reibt sich die Augen, dreht sich dabei um, sieht den Kellner und macht eine komische schnelle Handbewegung. Es sieht aus wie bei einem Kleinkind, das blitzschnell mit der Hand einen umfallenden Turm aus Bauklötzen halten will.
„Ich weiß nicht zu sagen, woher ich diese Gewissheit nehme, aber ich weiß, dass es nicht anders sein kann, als damit einen gewissen Erfolg zu haben“, sagt Rohs und stellt dabei seine leere Tasse beiseite.
Er hebt die Augen und sieht Otter fragend an.
Rohs wird ein neuer Kaffee hingestellt.
Otter schaut auf und sagt zum Kellner:
„ich möchte noch einen Wein.“
„Was für einen?“
„Den da, den die Leute trinken.“
Er zeigt zum Nachbartisch und fügt hinzu:
„Ich bin neugierig, was da getrunken wird.“
De Kellner glotzt verständnislos aus den Augen und geht.
Rohs schmunzelt.
„Ich wollt‘ dich nicht ersticken mit meiner Voreingenommenheit und nichts heraufbeschwören“, sagt Otter kleinlaut und lächelt Rohs ins Gesicht.
„Du brauchst mir nicht zu erzählen, wie womöglich irgendein Amtsmensch hinterm Schreibtisch reagieren wird … darum geht es nicht“, sagt Rohs in überspitzt freundlich, angespanntem Tonfall.
„Es geht mir in erster Linie um die Idee und deine Meinung … vielleicht deinen Beistand dazu.“
„Ich finde deinen Einfall toll“, sagt Otter und denkt: das war doch meine Meinung … oder?
„Ich bin sogar begeistert Rohs … aber inwiefern zählt meine Begeisterung … ich sitze nicht im Rathaus einer beliebigen Stadt.“
Rohs nimmt die Blätter auf und hält sie Otter hin.
„Vielleicht fällt dir dazu noch etwas ein … du kannst das Papier ruhig mit nach Hause nehmen.“
Rohs hebt sein Glas, prostet Otter zu und sagt mit bösem, lächelndem Gesichtsausdruck und einer spöttischen, weinerlichen Stimme:
„Lass uns jetzt nicht schon Prognosen für übermorgen aufstellen … schade um so viel Energie … schau mich an … ich brauche meine Kraft für andere Dinge … das Leben ist doch so schwer.“
Otter hasst inzwischen diese weinerliche Stimme von Rohs, die ihm ein schlechtes Gewissen einreden kann, die kleinen heimlichen Flüchen ähneln, über eine nicht richtig ausgedruckte Zahnpastatube in einer langjährigen Beziehung. Sie haben eine Beziehung, nicht nur in der Musik, sondern darüber hinaus; dafür kennen sie sich schon lange. Otter liebt Rohs auf irgendeine Weise, aber diese unterschwelligen Töne bringen ihn zum Verzweifeln; und umgekehrt kann Otter nichts ahnend Rohs zur Verzweiflung treiben.
Rohs linst auf seine Uhr.
„Wir sollten jetzt zum Proben aufbrechen, sonst trinken wir uns hier noch fest“, sagt Otter und nimmt den letzten Schluck.
„Du hast Recht, wir sollten mehr Musik machen, anstatt uns übermäßig auszulassen über Dinge, die bereits gesagt sind“.
…………………………..wird fortgesetzt

aus dem Roman OTTER von Ralph Billmann

11.03.2019 / 09:00
Kategorien: Fun   Deutsch

Otter und Rohs Teil IV.

Sie gehen auf die Straße. Das Sonnenlicht lässt Otter das eine Glas Wein spüren.
Nach einer Weile treten sie in einen dumpf riechenden, schummerigen Kellerraum ein – ihr Proberaum, der vor ihnen schon so manche Musiker beherbergt haben muss; man sieht es an inzwischen verblassten Plakaten, die angestaubt die ungeputzten Kellerwände verzieren, auf denen erbauliche Musikergesichter mit Zuversicht ins farblose Kellerlicht schmunzeln. Musiker wie Otter und Rohs, die mit ihren Träumereien, Illusionen und mit Vertrauen in die Zukunft ihre Größe suchen. Doch so einige fanden sich wieder, zwischen voll gefüllten Krügen mit Gerstensaft, die johlend geleert und hinuntergekippt werden, unter den Stoffen eines Bierzeltes.

Rohs kommt aus einem Land, wo er als Musiker Kronen statt Deutschmark erhält. Otter war einige Male mit Rohs dort – sie spielten in Prag und erhielten ihre Kronengage, die mit nach Hause zu nehmen sich aber nicht lohnte. Um die Gage loszuwerden, aßen und tranken sie gut und ausgiebig in teuren Restaurants.
Otter bestellte schon mal zwei Hauptgerichte nacheinander. Die letzten Taler, die dennoch einmal übrig geblieben waren, klopfte er halt für Schafwollsocken und große blecherne aufziehbare Marienkäfer auf den Kopf.

Die Nächte verbrachten sie bei Rohs‘ Freund. Er wohnt außerhalb von Prag, auf einem alten Mühlenhof, der aus mehreren altersschwachen, bröckeligen, zusammengestellten Backsteinhäuschen, ein paar Hühnern, zwei Schweinen und einem zugewachsenen Schaf besteht. Wo der Kopf vom Hinterteil keinen Unterschied macht.
Der Hausherr – selbst Musiker – der zusammen mit Otter und Rohs schon die Bühne geteilt hatte, ist ein liebeswürdiger kleiner Wikinger mit dickrandiger gestauchter Brille, der mit langem, zerzaustem fettigen Haar, ausgefranstem Rauschebart, abgewetzten Hosen, die Füße bestrumpft in braune Sandalen gesteckt, als anerkannter Geiger seines Landes die Berliner Bühnen eroberte und sie mit seiner Virtuosität in Glanz eintauchte.

Sein gigantisch großes Schlüsselbund, das an seiner Hose als schmückender Ballast schwer herunterhängt, konkurriert mit dem eines Einbrechers und lässt immer wieder den Moment offen, wann der Wikinger kopfüber von der Bühne fällt. Ein Musiker nannte ihn treffend H. die Hexe.

Zusammengefasst ist H. die Hexe dem Mann auf der Straße, der mit hohler Hand nach ’ner Mark fragt, täuschend ähnlich. Nimmt er aber statt des Hexenbesens seinen Bogen und lässt ihn zart über die Saiten gleiten, vergisst man schnell den Mann mit hohler Hand und möchte ihm vor Freude ein ganzes Pfund zustecken.

aus dem Roman OTTER von Ralph Billmann

11.03.2019 / 08:00
Kategorien: Fun   Deutsch

Kapitol Otter & Rohs, Teil V.

Rohs hatte in den letzten Jahren für den deutsch-tschechischen Kulturaustausch so einiges bewegt und geleistet, im Gegensatz zu den Politikern beider Staaten, die an einem Papier – wie die Seiltänzer an ihrer Seilaufhängung – peinlich genau herumwerkeln, als ginge es um Kopf und Kragen. Rohs schob die Berliner, wie die Tschechischen Musiker von einem Land zum andern – hin und her, wie die Steine beim Mühlespiel und eroberte mit ihnen nicht nur das Spielfeld Berlin, sondern auch die Gunst der Veranstalter.

Rohs besitzt die Fähigkeit der Bildersprache. Dafür hat er eine breite Farbpalette, um die ihn jeder Maler beneiden würde. Darüber hinaus bedient er sich an Dingen des alltäglichen Lebens, um in Gesprächen ein Anliegen als Gleichnis – wie ein Geistlicher – vorzutragen und verständlich zu machen.

In Kneipen kann man ihn beobachten, wie er Bierdeckel, Gläser, Ascher oder Tischblumen aus Plastik in die Hände nimmt, mit dem Finger nachhaltig drauftippt und sie, mit philosophischen Worten unterlegt, hin und herschiebt.
Was würde er packen, säße man mit ihm in einer Küche oder gar in einem Trödlerladen?
Wenn jemand meint, er würde dann ein Vertiko oder ein Kanapee schieben, der irrt – sein Leben ist ohnehin schwer und anstrengend, wie er oft klagt.

Bei Rohs’ und Otters Zusammenspiel fördern sie einen musikalischen Ausdruck zutage, der den Vergleich mit einer ausgefallenen Mahlzeit nicht scheuen würde – es ist eine Mixtur aus Berliner Bockwurst mit böhmischen Knödeln, beträufelt mit etwas scharfem Senf, eingewickelt in Prager Schinken.
Bei Rohs’ gemeinsamen Auftritten mit weltbekannten Musikern hatte er schon Musikern die Hand geschüttelt, von denen so manch ein Zuhörer Zeit seines Lebens träumt. Trotzdem schwimmt Rohs, ähnlich Otter, wie ein Eremit durch die Landschaft, auf der Suche nach seiner eigenen Musik, wie ein Muscheltaucher durchs Meer nach der ersehnten seltenen Perle.

Rohs griff erst nach vielen vielen Jahren nach dem Saxofon, das er vorerst gegen seine Klarinette eintauschte…

aus dem Roman OTTER von Ralph Billmann

11.03.2019 / 07:00
Kategorien: Fun   Deutsch

Kapitol Otter und Rohs, Teil VI.
Irgendwann wurde er der Klarinette untreu und erweckte sie nur noch gelegentlich zum Leben
Auch er ist, wie H. die Hexe, ein Virtuose auf seinem Instrument, vorausgesetzt, man lässt ihn gewähren und bombardiert ihn nicht mit genmanipulierten Noten, die einem Musikthema entspringen, das Bezug auf Einsteins Relativitätstheorie nimmt.
Otter hat das erst spät erkannt und begriffen, aber schlug Rohs bis dahin nicht selten mit Stücken, die einer mathematischen Aufgabe gleichkamen.
Durch seine Erkenntnis weiß Otter inzwischen: Jeder wird zum Größten, wenn er das ausspielen darf, worin er der Größte ist.
Das betrifft Rohs, wie ihn selbst.
Heute kooperieren sie und kommen sich dadurch näher denn je. Es ist so etwas wie eine bewunderte Akzeptanz, die sich nährt aus Wissen, Erkenntnis und einer Portion Souveränität.
Was ihre Zusammenarbeit betrifft, so hatten sie schon einiges hinter sich: Angefangen von Schuldzuweisungen bis hin zum „Augenauskratzen“. Das Instrument blieb stets unversehrt.
Otter wechselte dadurch so häufig die Saxofonisten, wie Spießbürger ihre Autos schamponieren.
Fanden sie wieder zueinander, ließ Otter manches Mal der Verdacht nicht los: Entweder sind sie gleich schlecht oder gleich kompliziert. Man kann eher meinen, gleich kompliziert, denn Otter spricht auch in Bildern. Aber es müssen nicht unbedingt Rohs‘ Bilder sein. Und so sind Missdeutungen nicht ausgeschlossen.
Er kann sich erinnern – Rohs hatte ihn zum Essen eingeladen, aber anstatt das Essen zu genießen – zumal es überteuert war – malten sie ihre Bilder, jeder in seinem Stil, von realistisch bis abstrakt und stellten sie voreinander hin. Wie die Kritiker stürzten sie dann auf die Bilder des Anderen los, kratzten auf der frischen Farbe, so dass sie unter den Nägeln hing, bewarfen sich mit Pinseln aller Breitengrade, bis sie, kurz vor dem Servieren ihrer Nachspeise, die Leinwände kurz und klein gerissen hatten. Was übrig blieb, war der Scherbenhaufen von Joseph Beuys, mit dem beide nur schwer etwas anfangen konnten.
Der Kellner - ein mickriger Japaner – lächelte mit schmalen Augen dazu, wie ein Kleinkind im Laufstall.
Ja, so liebten sie sich, und so schlugen sie sich.
Es ähnelte einer Beziehungsszene, in der einer dem anderen das Schnarchen streitig machen will.
Dennoch kommen sich Rohs und Otter immer wieder nah – allein durch die vielen Töne der Musik, die ihnen so viel bedeuten, die mehr sind als unverstandene Worte einer Schlammschlacht, und die sie ohne Zensur für sich sprechen lassen können. Und die beiden die Chance geben, von dem anderen wieder auf musikalischer Ebene Gehör zu finden.

Ende der Kapitol Otter und Roha

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